Sylvie Rasch

Tipp: Stricknadeln-Holz, Metall oder doch Acryl? Was eignet sich für wen?

Nachdem ich im ersten Teil des Artikels ja generell über das Angebot und die Frage geredet habe, vor der wohl jeder Stricker irgendwann steht - nämlich: „Welche Nadel kauf ich denn nun?“ - und sich wohl unübersehbar meine Vorliebe für Knit-Pro Nadeln herausgestellt hat, bleibt auf jeden Fall noch offen, welches Material und welche Nadeln für welchen Stricker geeignet sind.

Stricknadeln
Metallnadeln
Wir haben derzeit die Wahl zwischen folgenden Materialien: Metall - beschichtet oder unbeschichtet, Plastik (einfaches, herkömmliches), Acryl, Bambus, Holz, Edelhölzer. Dabei ist es nicht unerheblich wofür wir die Nadeln brauchen, Nadelspiele und deren Einsatz haben andere Einsatzkriterien als Rund- und Jackennadeln. Ich war vor Knit-Pro ein überzeugter Anhänger von Addi-Metallnadeln mit dem Goldseil, für Socken jedoch habe ich Bambus benutzt, daher hier mal der differenzierte Vergleich:

Metallnadeln:

Sie sind der Klassiker unter den Stricknadeln. Ich rate allerdings davon ab, welche zu kaufen, bei denen die Enden der Spitzen geknickt sind. Sie sehr glatt und gleiten dadurch gut. Ich persönlich bevorzuge die unbeschichteten (die silbernen), von den anderen bekam ich immer schwitzige Hände. Durch die hohe Gleitfähigkeit sind sie besonders gut für Feststricker und Anfänger geeignet (da diese in der Regel sehr fest stricken). Die Spitzen sind leicht abgerundet, von Addi gibt es aber auch spezielle Lace-Nadeln, die spitzer sind. Der Nachteil ist, daß sie doch verhältnismäßig schwer sind und daher die Gelenke stärker belasten als Holznadeln - manch einen nervt auf das Geklicke beim Stricken. Auch Lockerstricker kommen gut damit zurecht. Bei Sockennadeln würde ich als Lockerstricker allerdings auf Metall verzichten, da sie durch das Gewicht und die Beschaffenheit gern aus den Maschen herausfallen. Für Feststricker bei Socken schon geeignet, außerdem brechen sie nicht, verbiegen (die dünnen Stärke 1,5 - 2,5) aber auch sehr gern. Mir war Metall bei Socken immer zu schwer und ist mir auch öfters, gerade, wenn ich schnell gestrickt habe aus dem Gestrick gerutscht, daher hab ich es nur am Anfang verwendet, weil man diese am günstigsten bekommen hat.
Stricknadeln Plastik
Stricknadeln aus Plastik
Plastik:

Sie sind leicht, das ist von Vorteil, gerade bei dicken Nadeln, aber so weich, daß ich nie das Gefühl hatte, daß ich eine Stricknadel in der Hand hatte. Die hohe Flexibilität kann für manchen Stricker von Vorteil sein. Sie sind stumpfer als Metall, aber immernoch glatt, die Spitzen sind allerdings etwas runder, was sich gerade bei Lochmustern schwierig strickt. Ich für meinen Teil habe keine Ahnung, warum sich jemand so was ausgedacht hat. Plastiknadeln sind für mich das gruseligste gewesen, was es gibt.

Acryl:

Habe ich bisher nur wenig ausprobiert. Sie sind sehr glatt, klicken ein wenig, allerdings sehr leise, sind ein wenig flexibler als Metall und gleiten daher gut. Witzig sind auf jeden Fall die grellen Farben, in welches es sie gibt, was das Stricken wieder fröhlich macht - quasi die Stricknadel als Modeaccessior beim U-Bahnstricken. Ich hatte Probleme damit Kunstgarne, wie Microfaser damit zu verarbeiten weil sich das dann statisch aufgeladen hat. Für mich war es nix, weil ich auf den Kunststoff auch wieder mit schwitzigen Fingern reagiert habe, allerdings sind die Sockennadeln für diejenigen Feststricker, welche kein Metall wollen und kein Holz mögen der perfekte Mittelweg. Glatt, flexibel und leicht.
Holzstricknadeln
Holzstricknadeln
Holznadeln:

Wie schon gesagt, bin ich ein großer Freund der Holznadeln von Knit-Pro, sie sind schön glatt, gleiten gut und liegen gut in der Hand, ob ich nun Lose- oder Feststricker bin. Desweiteren sind sie angenehm leicht und das warme Holz ist gut für die Gelenke. Ich bekomm davon keine schwitzigen Hände und kann damit Turboschnell stricken. Der Nachteil ist, sie brechen leicht (also die dünneren bis Stärke 3). Also wenn man eher noch krampfig hält sollte man es mit den dünnen Holznadeln eher lassen. Mir ist es auch schon vorgekommen, daß ich mich draufgesetzt hab, weil ich ja auf dem Sofa-sitzend stricke, dann machts „knack“ und futsch sind sie. Das machen sie aber mit all den anderen Vorteilen wieder gut. Auch die Sockennadeln sind mein Favorit, sie sind etwas stumpfer als Metall (dafür spitzer) aber glatter als Bambus und damit sehr ausgeglichen. Damit wir nicht allzu traurig sind, wenn mal eine bricht liefert Knit-Pro bei Sockennadeln gleich ein 6er Set (Danke, da hat mal jemand nachgedacht!) Sie eignen sich sowohl für Fest- als auch für Lockerstricker.
Stricknadeln Edelholz
Edelholznadeln aus Rosenholz und Ebenholz
Edelholznadeln:

Bei den Edelholznadeln verhält es sich ähnlich wie bei den Holznadeln, allerdings gibt´s hier Unterschiede in der Gleitfähigkeit und Flexibilität (Rosenholz z.B. ist stumpfer aber weicher als z.B. Ebenholz). Ich besitze Handschuhnadeln aus Ebenholz (sehr hart, stricken sich aber super) und eine Rundstricknadel aus Rosenholz (damit sollte man keine Baumwolle verstricken, das wollte und wollte nicht rutschen; Merino allerdings ging super). Mein Fazit dazu - sie sind recht hochpreisig und man brauch sie nicht unbedingt, wer sich ein wenig Luxus gönnen möchte kauft sich welche, aber man sollte sie vorher schon in der Hand und gefühlt haben, ob sie auch zu einem passen und ebenso darauf gefaßt sein, daß sich nicht alles super damit strickt.

Stricknadeln Holz
Bambusnadeln
Bambusnadeln:

Bambus ist deutlich stumpfer als Metall und Holz, daher nie wirklich mein Favorit bei Rundstricknadeln gewesen. Für einen Lockerstricker allerdings sind sie sehr empfehlenswert, weil man nicht so schnell Gefahr läuft Maschen zu verlieren. Die Spitzen sind denen der Metallnadeln sehr ähnlich, allerdings klicken sie nicht. Sie sind flexibler als Holz und brechen daher nicht ganz so schnell. Außerdem sind sie die leichtesten von allen bisher vorgestellten Nadeln. Gerade bei Sockennadeln ist Bambus sehr empfehlenswert. Es gleitet gut (verglichen mit lackierten Holznadeln aber deutlich langsamer), hält aber trotzdem die Maschen gut auf der Nadel, durch seine Leichtigkeit und stumpfere Beschaffenheit sind sie mir bisher nie aus meinen Socken gerutscht. Für Fest - wie auch Lockerstricker geeignet. Verglichen mit lackierten Holznadeln würde der Feststricker allerdings zum Holz greifen, die perfekte Sockennadel für den Lockerstricker. Im Gegensatz zum Holz auch häufig recht günstig zu bekommen.
Tabelle Unterschiede Stricknadeln
Die Unterschiede
Natürlich gibt es innerhalb dieser Gruppen noch deutliche Unterschiede in Verarbeitung, Qualität und Preis, gerade bei den ältesten Kategorien (Metall und Bambus), doch dies alles aufzuzählen und einzukalkulieren wäre eine wissenschaftliche Abhandlung für sich. Ich denke, es genügt die Vor- und Nachteile der Kategorien zu erklären. Da das jetzt doch eine Menge Lesestoff war, hier noch einmal der Kurzvergleich als Tabelle. Dabei gilt folgende Skala: 1= hoch - 5= niedrig, ein + steht für empfehlenswert ein - für nicht empfehlenswert. Dabei sollte man aber auch nicht außer Acht lassen, daß die Bedürfnisse eines jeden Strickers individuell sind und jeder sich ausprobieren muß, dies hier sind meine Erfahrungswerte und daraus resultierende Empfehlungen.

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Text: Sylvie Rasch

Kommentare

Online-Redaktion01.12.2014 um 16:41 Uhr
Liebe Frau Miller, leider haben wir keine Quellen, wo Sie solche Nadeln aus Horn kaufen könnten. Wir hoffen, Sie finden eine zweite Nadel! Herzliche Grüße, Ihr Online-Team... Mehr
Ingrid Miller01.12.2014 um 13:10 Uhr
Zur Stricknadel-Recherche: im alten Handarbeitszeug von meiner Schwiegermutter, Jahrgang 1919 oder vielleicht schon von deren Mutter, hab ich e i n e Strumpfstricknadel aus Horn (wie die... Mehr
Online-Redaktion06.01.2014 um 09:24 Uhr
Hallo Frau Lippold, Bambusnadeln, oder generell Nadeln aus Holz, bekommt man schön glatt, indem man sie mit sehr feinem Schleifpapier (mind. 800er Körnung) glättet. Zur Pflege reibt... Mehr

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