Die Kunst des Urban Sketching

Spätestens seit dem ersten International Urban Sketching Symposium im Jahr 2010 war der Mal- und Zeichenwelt die Gewichtung der Community 'Urban Sketchers' klar. Ihre Mission lautet ganz unverblümt: "Zeichner aller Welt: Vereinigt euch!" Mit ihrem ersten Buch erblickt bei Frech ein Sammelsurium an einzigartigen Momentzeichnungen das Licht der deutschsprachigen Verlagswelt. Zwei Autoren erzählen von ihren Erfahrungen.

>> Zum Buch 'Die Kunst des Urban Sketching'

Sie sind beide Architekten und Illustratoren und Teil dieses organisierten Netzwerks aus Künstlern der ganzen Welt. Was sollte die Mission für jeden Urban Sketcher sein?

Omar Jaramillo Traverso: Die Städte, in denen wir leben oder zu denen wir reisen, zu zeichnen und die Zeichnungen über das Internet mit dem Rest der Welt zu teilen. Was für uns normal ist, ist für jemanden in Asien oder Afrika exotisch. Skizzen wurden in der Vergangenheit oft als der erste Schritt eines größeren und komplexeren Bildes betrachtet. Die Urban Sketchers feiern die Skizze als eine selbständige Kunstform.
Florian Afflerbach: Dies lässt sich auch leicht durch das Urban Sketchers Manifest beantworten:
1. Wir zeichnen vor Ort, drinnen oder draußen, nach direkter Beobachtung.
2. Unsere Zeichnungen erzählen die Geschichte unserer Umgebung, der Orte, an denen wir leben oder zu denen wir reisen.
3. Unsere Zeichnungen sind eine Aufzeichnung der Zeit und des Ortes.
4. Wir bezeugen unsere Umwelt wahrhaftig.
5. Wir benutzen alle Arten von Medien.
6. Wir unterstützen einander und zeichnen zusammen.
7. Wir veröffentlichen unsere Zeichnungen online.
8. Wir zeigen die Welt, Zeichnung für Zeichnung.

Welche Stadt haben Sie in dem Buch skizziert?
OJT: Al Ain, eine kleine Stadt in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Ich habe dort gelebt, als das Buch entstand. Man lernst durch das Skizzieren die Städte besser kennen. Wenn ich etwas zeichne, vergesse ich es niemals.
FA: Stuttgart. Speziell in den Sommermonaten habe ich versucht nach Feierabend täglich zu zeichnen, hauptsächlich Architektur. Dadurch hat sich mein Blick auf Stuttgart derart verändert, dass ich die baulichen Eigenheiten der Stadt besser verstanden habe.

Wie wurde Urban Sketching ein Teil Ihres Alltags?
FA: Bei mir war es der Gründer des Urban Sketchers Netzwerks, Gabriel Campanario. Er bat mich, einer der Gründungs-Korrespondenten zu werden, seitdem schreibe ich regelmäßig Blog-Einträge. Für mich ist der Reiz dieses Netzwerks nicht nur die Sichtung der unterschiedlichsten Herangehensweisen an das Zeichnen vor Ort. Auch das Kennenlernen der Personen, die dahinter stecken, wie zum Beispiel auf kleineren, selbstorganisierten Zeichenexkursionen.
OJT: Vor drei Jahren wohnte ich in Sizilien und hatte ein starkes Bedürfnis, die Stadt durch Zeichnungen zu entdecken, um ein Gefühl von Zugehörigkeit zu bekommen. In dem Blog „Line and Colors“ habe ich von Urban Sketchers erfahren. Ich wusste davor nicht, dass es so viele Gleichgesinnte in der Welt gibt. Ich habe mich am gleichen Tag angemeldet. Drei Monate später wurde ich als Blogkorrespondent angenommen.
Was darf der Leser von dem Titel "Urban Sketching" erwarten?
OJT: Das Buch zeigt, dass man nicht weit reisen muss, um Abenteuer zu erleben. Die Künstler in dem Buch porträtieren die Städte, in denen sie wohnen. Man bekommt viele Anregungen zu Orten, die man zeichnen kann. Es gibt viel zu lernen, aber noch mehr zu genießen.
FA: Außerdem versammelt es so viele unterschiedliche Zeichner. Es nicht nur ein Buch für Reiselustige und Kulturliebhaber, sondern auch für Zeicheninteressierte, die einen Überblick über Stilrichtungen, Techniken und Hilfestellungen bekommen möchten.

Mit einer urbanen Skizze etwas erzählen? Wie geht das?
FA: Als Architekt sind meine Zeichnungen oft auf das Gebäude fokussiert und blenden Nebensächlichkeiten wie Bäume oder Menschen aus.
OJT: Die Orte müssen auch Freude machen. Ein schönes Gebäude, vielleicht mit einer interessanten Geschichte. Ein tolles Cafe oder einen Straßenfest. Manchmal braucht man mehrere Skizzen, um eine Geschichte zu erzählen. Der Zeichner ist wie ein Filter. Es ist interessant zu sehen, was man zeichnet und was nicht. Farbwahl und eigene Kommentare zu der Szene gehören ebenso dazu.

Zum Schluss: Noch einen ganz persönlichen Tipp für zukünftige Urban Sketcher?
FA: Interessante Orte werden nur dadurch interessant, dass man sie selbst interessant findet. Dann ergibt sich automatisch der Wunsch, die Szenerie des Ortes – in welcher Art und Weise auch immer – abzubilden, das Aufregende daran herauszuarbeiten.
OJT: Am besten versucht man, jeden Tag etwas zu zeichnen. Man fängt in der eigenen Straße an und kann nach und nach die ganze Welt zeichnen.

Interviewpartner:
Omar Jaramillo Traverso ist Architekt, Landschaftsarchitekt, Illustrator und Künstler
>>Blog von Omar Jaramillo Traverso
Florian Afflerbach ist Architekt, Architekturvermittler und Illustrator
>>Webseite von Florian Afflerbach

Interview: Sabine Hausmann

Wo kann ich bei Urban Sketching mitmachen?

OJT: Mittlerweile gibt es regionale Gruppen. Es gibt auch Facebook-Gruppen, wie Urban Sketchers Berlin. Man kann dort Bilder posten und kommentieren.
Gerade haben wir den Urban-Sketchers-Deutschland-Blog gegründet. Wer regelmäßig zeichnet, kann sich dort auch als Blogkorrespondent bewerben. Und es gibt einmal im Jahr ein Urban-Sketchers-Symposium einmal.

>> Flickr-Gruppe der Urban Sketchers
>> Webseite der Urban Sketchers

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