Fliegende Nadeln - Ein Interview mit der schnellsten Strickerin der Welt

Auf der Handarbeit- und Hobbymesse in Köln habe ich sie getroffen – die Niederländerin Miriam Tegels präsentierte dort die 6. Deutsche Schnellstrickmeisterschaft, jedoch ist sie selbst außer Konkurrenz: Laut dem Guiness Buch der Rekorde ist sie seit 2006 mit 118 Maschen pro Minute die schnellste Strickerin der Welt!

Miriam Tegels
Miriam Tegels in der Strickbar
Miriam Tegels sitzt in der Strickbar auf der Messe und wartet darauf, dass andere Stricker gegen sie antreten. Rechts neben ihr ist eine große Zeituhr, hinter ihr hängt das Zertifikat aus dem Guiness Buch der Rekorde. Ihr Mann Frans Tegels ist ebenfalls da, er erklärt interessierten Strickerinnen wie sie gegen Miriam antreten können.

Traut sich da überhaupt irgend jemand gegen Sie anzutreten?

Ja klar, immer wieder kommen welche vorbei und setzen sich zu mir. Dann stricken wir 3 Minuten lang und nach Ablauf der Uhr wird gezählt wie viele Reihen jeder hat. Jeder hat dasselbe Strickzeug und die gleiche Wolle damit es auch fair
ist. Es macht ja auch Spaß, wenn man hier zusammen sitzt und jeder darf einmal versuchen, wie viele Reihen in 3 Minuten für einen selbst möglich sind. Am letzten Tag der Messe wird dann ermittelt wer am schnellsten war und dieser bekommt dann den Titel Deutscher Schnellstrickmeister!

Ich nehme an Sie wurden noch nicht geschlagen?

Nein, noch nicht! [lacht] Aber das kann jederzeit der Fall sein! Allerdings nehme ich hier außer Konkurrenz teil: Um meinen Weltrekord zu schlagen, müsste die Person vor Zeugen zeigen, wie viele Maschen sie schafft. Ein Kamerateam muss das Ganze filmen und ein Reporter alles kommentieren. Erst dann sind die Grundbedingungen für einen Weltrekordversuch laut dem Guiness Kommitee gegeben. Ich habe das damals alles selber organisiert – im Gemeindehaus in Swalmen in der Niederlanden.

Wie sind Sie darauf gekommen, dass Sie die schnellste Strickerin der Welt sein könnten?

Ich habe im Radio von einer Frau aus London gehört, die 255 Maschen in 3 Minuten geschafft hat. Da habe ich mein Strickzeug geschnappt und ausprobiert, wie viele ich schaffe – und lag bereits beim ersten Versuch darüber! Ich habe dann bei diesem Radiosender angerufen und daraufhin den Weltrekordversuch unternommen. Der lag bis dahin noch bei 111 Maschen pro Minute und war aus dem Jahr 1980! Zum Glück war der Bürgermeister von Swalmen damit einverstanden, dass wir diesen im Gemeindehaus abhalten. Ein regionales Fensehteam hat mich begleitet.

Woher kommt diese Leidenschaft fürs Stricken?

Ach, ich habe bereits mit 6 Jahren angefangen zu Stricken. Meine Mutter meinte, sie braucht etwas um mich zu beschäftigen, ich war ein sehr lebhaftes Kind! Sie hat mir das Stricken beigebracht. Mein erstes Werk war eine Decke für meine Puppe, danach habe ich alles Mögliche für meine Familie gestrickt. Und ich habe nie damit aufgehört!

Haben Sie denn noch überhaupt Zeit für andere Hobbies?

Nun ja, nicht mehr wirklich. Schließlich muss ich ja auch noch meinem Beruf als Yoga-Lehrerin nachkommen! Ich unterrichte 10 Gruppen in vier Tagen. So bleiben mir noch drei Tage die Woche für das Thema Stricken. Ich gebe Workshops und unterrichte auch. Außerdem stricke ich ja noch für mich und meine Familie. In einer Woche schaffe ich da schon noch einen Pulli.
Frans Tegels und Strickerinnen
Frans Tegels stoppt die Uhr für seine Frau und die Herausforderinnen
Was sagt denn ihr Mann zur Strickwut?

Der strickt selbst! Durch mich ist er dem Hobby näher gekommen. Mittlerweile organisieren wir auch sogenannte Strickferien zusammen. Dieses Jahr finden sie in den Niederlanden mit einer internationalen Gruppe statt, sogar eine Neuseeländerin ist mit dabei! Ich gebe Workshops zu Stricktechniken und mein Mann führt die Gruppe danach durch die Gegend, er ist ein begeisterter Naturfreund. Das Ganze steht dann unter dem Motto „Stricken in der Natur“ und findet Mitte Juli statt.

Außerdem organisieren Sie noch regelmäßige Stricktreffen oder?

Ja, in den Niederlanden sind diese sehr verbreitet, dort gibt es circa 100 Gruppen, die sich ein oder zwei Mal in der Woche treffen um zusammen zu stricken. Das läuft weltweit unter dem Namen „Stitch 'n Bitch“. Ich leite mit zwei Freundinnen das Strickcafé "Stitch'n Bitch" in Roermond. Abends treffen wir uns trinken, essen, erzählen und stricken gemeinsam.

Interview: Stefanie Lörch


Weitere Infos zu Miriam Tegels, Stricktreffen oder den Strickferien gibt es auf ihrer Webseite Speedknitter

Kommentare

Gerlinde Jarosz11.06.2016 um 17:55 Uhr
Hallo ich würde mal sehr gerne ein Video der Strickmeisterin anschauen ,wo finde ich so ein video Mehr

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